Wiegenlied aus der Romantik für die Babykarte

Wer noch nach einem schönen Gedicht für die Babykarte sucht, der muss nur in der reichen Literaturgeschichte kramen, um wahre Schätze zu bergen. Aus der Romantik stammen die einfühlsamsten Gedichte, die man in der Babykarte weitergeben kann. Matthias Claudius hat ein Wiegenlied geschrieben, das man schriftlich weitergeben kann, der Text beruhigt sicher jedes Baby.

 

Das Wiegelied in der Babykarte ist vorgesungen ein Schlafbringer für Babys. (@Tommy Botello Photography, http://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/deed.de)

Das Wiegelied in der Babykarte ist vorgesungen ein Schlafbringer für Babys. (@Tommy Botello Photography, http://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/deed.de)

Für die Babykarte: Ein Wiegenlied, bei Mondschein zu singen

So schlafe nun du Kleine!

Was weinest du?

Sanft ist im Mondenscheine,

Und süß die Ruh.

Auch kommt der Schlaf geschwinder,

Und sonder Müh:

Der Mond freut sich der Kinder,

Und liebet sie.

Er liebt zwar auch die Knaben,

Doch Mädchen mehr,

Gießt freundlich schöne Gaben

Von oben her

Auf sie aus, wenn sie saugen,

Recht wunderbar;

Schenkt ihnen blaue Augen

Und blondes Haar.

Alt ist er wie ein Rabe,

Sieht manches Land;

Mein Vater hat als Knabe

Ihn schon gekannt.

Und bald nach ihren Wochen

Hat Mutter mal

Mit ihm von mir gesprochen:

Sie saß im Tal

In einer Abendstunde,

Den Busen bloß,

Ich lag mit offnem Munde

In ihrem Schoß.

Sie sah mich an, für Freude

Ein Tränchen lief,

Der Mond beschien uns beide,

Ich lag und schlief;

Da sprach sie! »Mond, oh! scheine,

Ich hab sie lieb,

Schein Glück für meine Kleine!«

Ihr Auge blieb

Noch lang am Monde kleben,

Und flehte mehr.

Der Mond fing an zu beben,

Als hörte er.

Und denkt nun immer wieder

An diesen Blick,

Und scheint von hoch hernieder

Mir lauter Glück.

Er schien mir unterm Kranze

Ins Brautgesicht,

Und bei dem Ehrentanze;

Du warst noch nicht.

Matthias Claudius

 

Matthias Claudius war ein bekannter Dichter des 18. und 19. Jahrhunderts. Er verstand sich auf volkstümliche Dichtungen, ein Wiegenlied passt in sein Werk, hatte er doch selbst zwölf Kinder. Schenkt man also jemanden eine Babykarte mit dessen Wiegelied, dann verschenkt man auch viel Erfahrung.